Das hier ist nicht Fight Club, das hier ist die echte Welt.
In einer Welt, die einem jeden Tag unmissverständlich klar macht, wie überflüssig man eigentlich ist, wird Aufmerksamkeit zur einzigen Währung, für die man noch irgendetwas bekommt. Denn immerhin versichert Dir die Aufmerksamkeit, dass Du überhaupt noch da bist. Hast Du Aufmerksamkeit, setzt Du Menschen Gedanken in den Kopf, gute wie schlechte. Vielleicht bringst Du jemanden dazu etwas zu tun was er vorher nicht getan hätte. Vielleicht bleibt alles wie es war.
Natürlich gibt es Geld und mit Geld lässt sich vielleicht auch Aufmerksamkeit produzieren. Aber Dein Porsche oder Dein Loft oder Dein Ferienhaus sind egal, wenn niemand weiß, dass es Dein Porsche und Dein Loft und Dein Ferienhaus Dir gehören.
Romane wie der im Titel genannte - Fight Club - oder auch deren Verfilmungen, legen oft radikale Lösungen nahe um das Defizit an Aufmerksamkeit und das Gefühl nicht benötigt zu werden zu bekämpfen: Die Welt ist scheiße also fang an Dich zu schlagen, die Welt ist scheiße also erpresse Deinen Chef und kündige Deinen Job, die Welt ist Scheiße und jage die Gebäude aller Kreditkartenfirmen der USA mit Sprenggelatine in die Luft.
Das sind zu einfache Lösungen auf zu komplizierte Probleme. Das ist Eskapismus in Gewalttätigkeit und Anarchie, der nur deswegen interessant wirkt, weil das Buch oder der Film aufhören, bevor man sieht, dass Menschen nicht dadurch besser oder anders werden, dass sie sich regelmäßig auf die Fresse hauen oder gerade eben die Gebäude aller Kreditkartenfirmen der USA in die Luft gesprengt haben. Wenn die neue Welt in Fight Club so verführerisch und attraktiv scheint, warum wird sie nicht gezeigt?
Niemand wird deswegen irgendjemanden verprügeln, weil uns die Werbung nur Schrott verkaufen möchte. Niemand kündigt und erpresst dabei seinen Chef um ein Jahresgehalt plus Bonus, denn im echten Leben gibt es echte Rechtsabteilungen mit echten Anwälten. Niemand wird irgendein Finanzinstitut mit Sprenggelatine in die Luft jagen, da wir uns dann nicht mehr all den schönen Schrott kaufen können, den wir ja doch haben wollen.
Wenn ich mir so die klassischen aber auch digitalen Medien angucke merke ich, dass die falschen Menschen zu viel Aufmerksamkeit bekommen. Ich habe gerade in diesem Jahr so viele interessante und sehr intelligente Leute kennengelernt, dass es durch nichts gerechtfertigt scheint, dass diese weniger Aufmerksamkeit bekommen als z.B. Dieter Bohlen, Mario Barth oder der Mann mit dem Iro, der meiner Meinung nach nur Mario Barth oder Dieter Bohlen mit anderen Mitteln ist, eher Uschi Glas oder noch eher wie Verona Poth mit anderen Mitteln.
Man kann diese Menschen verächtlich abtun, man kann im Feuilleton ihre intellektuelle Bedeutungslosigkeit auf viel totem Papier herbei konstruieren, man muss aber ganz einfach eingestehen: Aus irgendeinem Grund haben diese Menschen mehr Aufmerksamkeit als ich oder andere Menschen. Der Punkt ist, je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger gute Gründe fallen mir ein warum das weiterhin so sein sollte. Die Leute, die tatsächlich etwas zu sagen haben sollten versuchen, die Aufmerksamkeit für sich zu erobern.
Denn: Wir alle kochen nur mit Wasser und manche wie mir scheint auf ein paar hundert Metern Höhe, wo es aufgrund des geringen Drucks schon früher anfängt zu blubbern.
Deswegen wird hier über die Dinge berichtet, die ich noch erledigen will, vielleicht nicht morgen, aber eher nächste Woche als nächstes Jahr. Meine Prokrastination auf hohem Niveau bekämpfend werde ich mir Aufmerksamkeit verschaffen damit man mir zuhört, denn Zuhörer gibt es immer. Und natürlich werde ich diese Aufmerksamkeit auf Menschen umleiten, die es eher verdient haben als die oben erwähnten. Aufmerksamkeitsökonomie eben.