Warum saufen gut, äh schlecht ist.
Jüngst musste ja der englische Oberdrogenheini David Nutt zurücktreten, weil er meinte Alkohol sei weit gefährlicher als z.B. THC oder Ecstasy. Auch hierzulande weiß man, dass Alkohol pfui und böh ist, und vor allem weiß man, dass grade Jugendliche und junge Erwachsene, Stichwort Komasaufen, anscheinend ein Problem damit haben das richtige Maß zu finden.
Jetzt hab ich hier heute im U-Bahnhof so ein Poster gesehen, das ich anfänglich für eine Bierwerbung hielt (Wer mich in der Spiegelung entdeckt bekommt übrigens ein Eis). Es ist aber gar keine Bierwerbung, weit gefehlt. Es ist eine Werbung gegen Bier. Oder zumindest gegen Alkohol. Na ja zumindest für weniger Alkohol wenn Alkohol im Spiel ist.
Erstes Indiz, dass es zum Beispiel keine Beck’s Werbung ist: Die Leute sehen einfach schlechter aus als in der Beck’s Werbung. Sie geht ja gerade noch so, die beiden Typen daneben sehen dann doch eher total stulle aus. Das Plakat soll uns eine kleine Geschichte erzählen: Nicht etwa “Drei Jugendliche stehen Bierbeflascht (Etiketten vorher abgepiddelt, dass ist so ein Hobby von uns, hihi) im düsteren Wald und werden dabei von einem Scheinwerfer, der wahrscheinlich links steht angestrahlt, wohingegen sie wieder nach Rechts guckt (also ihr rechts, Bildinterpretation ist ein weites Feld) und den linken Typen so irgendwie angrinst, wovon er allerdings nichts merkt weil er ja woanders hinguckt”.
Nein, das Plakat soll, die Sprech/Denk/Kommentarblasen geben Aufschluss, über den weiteren Verlauf des Abends aufklären: Ganz links der Typ verliert die Kontrolle, was die in der Mitte ihm nie verzeihen wird (was meiner Meinung nach jetzt nicht so schlimm ist, da er eh mehr wie ne Ganzkörperfrechheit aussieht und ja anscheinend nen schlimmen Charakter hat), ganz rechts der Typ also wacht am nächsten Morgen in seiner Kotze auf, weil er nämlich Zitat, “ohne Ende feiert” (was ja irgendwie ein Widerspruch ist, wenn ich ohne Ende feiere, dann bin ich auch ohne Ende wach). Das heißt, diese drei Menschen erleben einen ganz normalen Freitagabend.
Dann steht da noch unten: “Alkohol macht mehr kaputt, als Du denkst” und noch ne URL, www.kenn-dein-limit.info.
Um diese Informationen wahrzunehmen muss man aber stehen bleiben und sich so intensiv damit beschäftigen, wie ich das jetzt mal für euch getan habe. Was für ein frecher Zeitdiebstahl, man stelle sich vor jeder der dran vorbeigeht würde sich die Mühe machen herausfinden zu wollen, worums auf diesem Plakat geht. Beim flüchtigen Vorbeigehen denkt man allerhöchstes: Hm, Bier. Aber sicher nicht den Quark, der dort verzapft wurde. Ich zittere auf jeden Fall nicht aufgrund der Vorstellung, dass einer der auf dem Plakat abgebildeten Menschen alkoholbedingte Komplikationen hat.
Jetzt hätte ich ja gedacht, dieser Werbefail wäre von der Alkoholindustrie finanziert worden, aber Auftraggeber sind anscheinend der Fachverband für Außenwerbung, der Verband der Privaten Krankenkassen sowie die Bundeszentrale für Gesellschaftliche Aufklärung. Also ich würde, ohne das jetzt recherchiert zu haben sagen, in mindestens einem der Vereine hängt die Alkoholindustrie doch drin. Nicht weil ich besonders paranoid bin, sondern weil ich es einfach schön fände.
Die Frage ist jetzt, was wäre so schlimm daran gewesen den Typen links zu zeigen, wie er irgendwas macht was seine Freundin scheiße findet, die Freundin zu zeigen wie sie es scheiße findet und es nie mehr vergisst und den rechten Typen beim aufwachen in der Kotze zu zeigen? Zum Beispiel in Damenkleidern auf einer Herrentoilette in Marokko, vollgekotzte Burka, die Schiene. Ich meine, nicht dass mich diese Werbung dann vom trinken abhalten würde, aber vielleicht hätte dann irgendeins der Motive irgendwas mit Sex zu tun gehabt. Der Punkt ist einfach: Ja, Alkoholmissbrauch, schlimme Sache, aber: Mit soner peinlichen Plakatwerbung erreicht man niemanden und wenn man jemanden erreicht, dann nicht so, wie es die Macher gern gehabt hätten.
Es wäre ja interessant die Frage zu stellen, warum man überhaupt anfängt irgendeine Menge Alkohol zu trinken. Aber dann würde ja kein Bier mehr verkauft werden.
Pätrick, Chantalle und Marvin vor dem großen Absturz, der Commodore hat sich mit aufs Bild geschmuggelt.