Achtungserfolggate

Am Freitag war in der Bundesgeschäftsstelle der Piratenpartei ein Pressefrühstück. In ungezwungener Atmosphäre unterhielten sich Piraten mit Journalisten. Es kamen dpa, Handelsblatt, Spiegel, Tagesspiegel und die taz. Die Stimmung war gut und ausgelassen. Im Rahmen des Frühstücks führte ich auch ein Gespräch mit Niklas Wirminghaus von der taz. Er befragte mich zum Zustand der Partei und meinen Erwartungen für die Landtags- und Kommunalwahlen im nächsten Jahr.

Ich betonte, dass es wichtig ist, dass wir unsere Ergebnisse der Bundestagswahl ausbauen und uns auf die fünf Prozent zubewegen. Im Bezug auf die Wahl in Baden-Württemberg sagte ich, dass in den Medien leider zu wenig über das dortige Wahlsystem berichtet wird, dass Aufgrund der 70 Direktwahlkreise und den zu leistenden 10.500 Unterstützerunterschriften kleine Parteien wie z.B. die Piratenpartei systematisch benachteiligt werden, dass ich aber davon ausgehe, dass es in einigen Wahlkreisen auf jeden Fall zu Achtungserfolgen kommen wird.

Aus diesen Aussagen wurde dann hier folgendes gemacht:

Davor wird im März in Baden-Württemberg der Landtag gewählt. Mehr als Achtungserfolge in manchen Wahlkreisen erwartet Lauer dort allerdings nicht. Der Südwesten ist als ländlich geprägtes Flächenland ein schwieriges Terrain für Piraten. So erklärt Basispirat Haase auch das magere Ergebnis in NRW: „Wir hatten es in den ländlichen Gebieten sehr schwer, in den städtischen Ballungszentren hat dafür die SPD dominiert.“

Warum blogge ich jetzt darüber? Ich habe direkt am Freitagabend in der C Base Feedback von Baden-Württembergischen Piraten bekommen, die Glücklicherweise das direkte Gespräch mit mir suchten und mich darauf hinweisen, dass man aufgrund meiner Äußerung gelinde gesagt etwas ungehalten wäre, dass es bereits einen ausgemachten Flamewar auf den Mailinglisten in Baden-Württemberg gebe, in dem man sich über meine Äußerungen Echauffiere.

Ich erläuterte ihnen dann das, was ich jetzt auch hier niedergeschrieben habe. Im Gespräch wurde mir nochmal klar, dass ich natürlich etwas euphorischer hätte sein können und müssen, dass ich insbesondere auf Stuttgart 21 hätte hinweisen müssen und den Zuspruch, den die Piratenpartei dadurch in Baden-Württemberg bekommt. Psychologisch ist es natürlich fatal, wenn man sich seit Wochen und Monaten in seinem Kreis engagiert und dann über die Medien den Eindruck erhält, der eigene Vorstand glaubt nicht an den Erfolg. Dies war nicht meine Absicht.

Ich schreibe diesen Blogbeitrag auch, weil ich den Vorgetragenen Vorwurf, ich hätte die Wahl in Baden-Württemberg schon abgeschrieben, für ziemlich absurd halte. Ich habe auf dem Bundesparteitag gesagt, dass wir alle uns im Wahlkampf befinden müssen, wenn in einem oder mehreren Bundesländern Wahlkampf ist. Ich habe direkt nach Bingen dem Baden-Württembergischen Vorstand vorgeschlagen, Busfahrten von Berlin oder anderen Bundesländern nach Baden-Württemberg zu organisieren, um beim Unterschriftensammeln zu helfen. Ich habe nach der Verhaftung von Simon Engelhaupt Kontakt zur dpa Stuttgart an André Martens vermittelt, damit dieser nochmal auf den Vorgang hinweisen kann und Presseaufmerksamkeit für diesen Vorfall entsteht. Ich habe letzte Woche einen Antrag an den Landesvorstand Berlin gestellt, sich um die Organisation einer Busfahrt zu kümmern. Das wurde zwar abgelehnt, allerdings werden sich die Piraten Berlin jetzt aktiv beim Sammeln von Unterschriften von Baden-Württembergern in Berlin beteiligen. Ich werde dennoch versuchen aktive Berliner zum Sammeln von Unterschriften nach Baden-Württemberg zu befördern. Das Angebot, dies zu tun, habe ich auch nochmal am Freitag, kurz nach dem Pressefrühstück, von mir aus gegenüber Florian Zumkeller-Quast, Beisitzer im Landesvorstand Baden-Württemberg erneuert.

Das sind natürlich Dinge, über die ich nicht berichte weil ich sie für normal halte und auch unabhängig von meinem Vorstandsamt angestoßen hätte. Das sind Dinge, über die eine taz auch nicht schreibt, weil sie vor allem Interna der Piratenpartei sind.

Mir ist bewusst, dass ich im Bezug auf die Wahl in Baden-Württemberg sicher euphorischer hätte sein können, aber die Parole 6+x wollte ich auch nicht ausrufen. Wenn sich der Landesverband Baden-Württemberg hierzu entscheiden sollte, werde ich dieses oder jedes andere Wahlziel auch entsprechend kommunizieren.

Für uns ist nächstes Jahr ein sehr wichtiges Jahr, wir haben Wahlkämpfe in folgenden Bundesländern zu bestreiten: Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bremen, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen, Niedersachsen.

Sachsen-Anhalt wählt am 20.3., Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen am 27.3., das ist in sieben Monaten. Bremen wählt am 22.5., Berlin und Mecklenburg-Vorpommern am 4.9. Niedersachsen ist am 11.September, zur FSA, dran.

Vier der acht Wahlen im nächsten Jahr finden bereits in sieben Monaten statt. Wir alle müssen uns reinhängen, um zu zeigen, dass wir die sechstgrößte Partei in Deutschland sind, die in Verantwortung strebt. Dieses Ziel erreichen wir nicht, wenn wir uns über indirekte Rede in Zeitungsartikeln aufregen. Der Artikel in der taz endet mit „Wir werden die anderen Parteien vor uns hertreiben“. Genau das müssen wir tun.

Jetzt neu: Mit Sprechstunde!

Ab dem 4.8. biete ich jeden Mittwoch zwischen 17:00 und 19:30 eine Sprechstunde für Piraten an. Diese findet in der Bundesgeschäftsstelle, in der Pflugstr. 9a in Berlin Mitte statt. Man kann mich besuchen kommen, man kann mich aber auch anrufen.

Auch wenn ich ansonsten recht gut zu erreichen bin, so haben mir die letzten Wochen gezeigt, dass manche Piraten mich vielleicht gerne kontaktieren würden, aber nicht so richtig wissen wie das geht. Daher das Angebot der Sprechstunde.

SymbolbildFreude macht sich auf der Sprechstunde des heiteren Bundesvorstands breit: Christopher Lauer (links) beim Biermixgetränk, im ausgelassenen Gespräch mit der Basis (rechts). (Symbolbild, Quelle:Würzblog)

In der Sprechstunde möchte ich darüber informieren, was sich momentan so im Bundesvorstand tut und woran ich momentan arbeite. Ich möchte aber natürlich auch von euch erfahren, was ihr für Ideen, Vorschläge und Wünsche für die Partei habt, wo vielleicht der Schuh drückt, wo Probleme sind.

Ich habe eine Wikiseite angelegt, auf der immer aktuelle Informationen zur Sprechstunde zu finden sein werden. Ich freue mich über euren Besuch, real oder telefonisch.

Solltet ihr Fragen zur Sprechstunde haben, postet sie in die Kommentare oder schreibt mir eine Mail.

Heute 19:00 Uhr Anhörung zu LiquidFeedback

Liebe Piraten,

ich möchte euch an dieser Stelle darüber informieren, dass heute Abend ab 19:00 Uhr die Anhörung Bodo Thiesen / Bundesvorstand stattfindet.

Aufgrund des hohen Interesses einiger Piraten am Verfahren wurde ich mehrfach darum gebeten euch darüber zu informieren, dass für Zuhörer ein Extra Raum auf dem hessischen Telko-Server eingerichtet worden ist. Diesen erreicht ihr unter der Nummer +49 69 175 36 743, die Raumnummer ist 9610#. In diesem Raum werdet ihr der Anhörung zuhören können, was ihr selbst sagt wird im Anhörungssraum nicht gehört werden.

Es wird auch einen Stream der Anhörung geben. Die Aufzeichnung des Streams ist laut Schiedsgericht „nicht statthaft“.

Wie ich am besten zu erreichen bin


Das gestrige Politikforum hat mir nochmal gezeigt, dass wir viel mehr miteinander reden müssen, vor allem früh miteinander reden, damit Dinge erst gar nicht eskalieren. Deswegen hier nochmal ein Hinweis wie ich am besten zu erreichen bin:

Per Mail: christopher.lauer@piratenpartei.de Diese Mailadresse geht in ein Ticketsystem, das bedeutet wenn ich nicht grade erreichbar bin, antwortet im Notfall ein anderer Pirat, der mich in meiner Arbeit unterstützt. Ich gucke in der Regel allerdings zweimal am Tag rein, das bedeutet über diese Mail bin ich gut zu erreichen.

Twitter: Mein Account ist @Schmidtlepp. Über Twitter bin ich in der Regel am schnellsten zu erreichen, ein einfacher @-reply und innerhalb von einer Stunde sollte ich antworten.

Telefon: Gerne führe ich auch ein Telefonat, es geht natürlich auch Skype oder Mumble. Die Nummer erfahrt ihr über per Mail an mich.

IM: Über Skype und Jabber bin ich nicht so gut zu erreichen, gebe sie hier aber der Vollständigkeit halber an: Jabber: commodoreschmidtlepp@jabber.ccc.de Skype: CommodoreSchmidtlepp

In der Regel melde ich mich auf alle diese Kontaktversuche spätestens nach einem Tag.

Scheut euch also nicht mich zu kontaktieren!

Vergleichsangebot an Bodo Thiesen

Liebe Piraten,

heute wurde um 12:00 Uhr Bodo Thiesen folgendes Vergleichsangebot übermittelt:

Sehr geehrter Herr Thiesen,

hiermit bietet Ihnen der Vorstand der Piratenpartei Deutschland in der
Sache BSG_2010-06-29 einen Vergleich an.

Sollten sie die gegen uns eingereichte Klage und die durch Sie gegen uns
erwirkte Einstweilige Anordnung zurückziehen bieten wir Ihnen an, Ihnen
keine Einladung zu LiquidFeedback an die durch Sie in der
Mitgliederdatenbank der Piratenpartei Deutschland hinterlegte
E-Mail-Adresse zu senden.
Zusätzlich werden wir auf Schadensersatzansprüche gegen Sie verzichten.

Sollten Sie dieses Angebot nicht annehmen weisen wir Sie darauf hin,
dass wir prüfen werden inwieweit wir Sie aufgrund der entstandenen
Verzögerung beim Start von LiquidFeedback auf Schadensersatz in Anspruch nehmen können.

Senden Sie Ihre Entscheidung bitte an vorstand@piratenpartei.de

Dieses Angebot gilt bis Dienstag, den 13.07.2010 12:00 Uhr MESZ

Mit freundlichen Grüßen,
Der Bundesvorstand,
vertreten durch Christopher Lauer

i.A. Markus Gerstel

Dieses Angebot wurde in der Hoffnung unterbreitet, dass sich der Kläger eines Besseren besinnt und wir Liquid Feedback wie geplant am 15.7. starten können. Sollte der Kläger das Angebot nicht wahrnehmen, so wird das Verfahren normal weiterlaufen.

An dieser Stelle möchte ich betonen, dass ich etwaige persönliche Angriffe gegen das Bundesschiedsgericht aufgrund dieses Verfahrens nicht tolerieren werde und nach Abschluss dieses Verfahrens prüfen werde, inwiefern gegen die Pöbler vorgegangen werden kann.

Darüber hinaus bitte ich euch die Bekanntmachung des Bundesschiedsgerichtes zu den Vorgängen zu beachten.

Ergänzung 13:30 Uhr:

Da jetzt wiederholt der Unmut über dieses Vergleichsangebot, insbesondere den Passus des Schadensersatzes geäußert wurde hierzu eine Erläuterung:

Die Prüfung von Schadensersatzansprüchen bezieht sich nicht auf die Klage sondern ausschließlich auf die Einstweilige Anordnung!

Wer das Mittel einer einstweiligen Verfügung/Anordnung wählt, muss auch mit den Folgen einer von Anfang an ungerechtfertigten EV/EA leben können, was bedeutet für den durch die EV/EA entstandenen Schaden geradezustehen.

Ansonsten könnte jeder jederzeit für alles ohne Risiko EV/EAs erwirken, das geht natürlich auch nicht. Die Unschuldsvermutung (bzw ihr zivilrechtliches Äquivalent) wirkt hier sehr wohl, allerdings für den Beklagten, in dessen Recht durch den Kläger ohne abgeschlossenes Verfahren eingegriffen wird.

Sollte sich herausstellen dass die Klage berechtigt war, so entsteht natürlich auch kein Schaden, und damit kein Schadensersatzanspruch. Sollte das Vergleichsangebot nicht angenommen werden, ändert sich an der aktuellen Rechtslage nichts.

Ich würde es an dieser Stelle sehr begrüßen, wenn statt echauffieren und draufhauen mehr sachlich nachgefragt werden würde, der Bundesvorstand und ich sind kein Freiwild, auf das man nach Belieben draufhauen kann.