openliquid-Tagung der Piratenpartei Deutschland

Ende Januar, vom 28.-30.1.2011 findet in Anspach die openliquid-Tagung der Piratenpartei Deutschland statt.

Worum gehts?

LiquidFeedback wird seit Anfang 2010 in einigen Landesverbänden der Piratenpartei eingesetzt und seit August 2010 auch auf Bundesebene. Der Programmparteitag 2010 in Chemnitz wurde erfolgreich mit LiquidFeedback vorbereitet. Mittlerweile benutzen auch Piratenparteien in anderen Ländern LiquidFeedback zur innerparteilichen Meinungsbildung.

Die Einführung von LiquidFeedback in der Piratenpartei wurde von heftigen Diskussion im Spannungsfeld Datenschutz/Transparenz begleitet. Ziel der Tagung ist also keine Schulung im Umgang mit LiquidFeedback, sondern eine Diskussion über die Verwendung einer LiquidDemocracy-Software innerhalb einer Partei.

Hier ein Auszug aus der offiziellen Einladung mit Beispielen für Themen, die vor Ort diskutiert werden können:

  • Die Umsetzbarkeit anonymer Abstimmungen in Computersystemen
  • Das Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach Anonymität und dem Anspruch politischer Transparenz
  • Das Verständnis von Basisdemokratie in der Piratenpartei und mögliche Perspektiven
  • Rechtliche Fragestellungen bei der Verwendung von Software zur Meinungsbildung, z.B. in Hinblick auf das Bundesdatenschutzgesetz
  • Das Für und Wider von Liquid Democracy und unterschiedliche Ausgestaltungen des Begriffs

Wie kann ich mitmachen?

Von den 40 Verfügbaren Plätzen sind bis jetzt 13 belegt. Im Teilnehmerbeitrag von 50€ sind Übernachtung und Essen enthalten.

Wie Du Dich verbindlich für die Tagung anmeldest, und wie Du Beiträge zur Tagung einreichst erfährst Du im LiquidFeedback-Betriebsblog.

Je mehr Leute kommen, die LiquidFeedback aus einer anderen Perspektive beleuchten werden, desto interessanter wird die Tagung meiner Meinung nach für die gesamte Partei werden. Deswegen erscheint zahlreich!

Basisdemokratie skaliert. Ein Bericht vom Bundesparteitag in Chemnitz

Am vergangenen Wochenende war in Chemnitz der Programmparteitag 2010.2. der Piraten. Ich möchte in diesem Blogbeitrag ein kleines Fazit ziehen.

Meine Aufregung und Anspannung war vor dem Bundesparteitag relativ groß. Ich glaube es war allen Piraten klar, dass dieser Parteitag Ergebnisse produzieren muss. Nicht etwa für eine wie auch immer geartete Außendarstellung, sondern für uns. Nach Bingen war klar: Noch so einen Parteitag überleben wir rein motivationstechnisch nicht. Daher war der Druck und die Anspannung auf uns alle sehr hoch.

Ich persönlich hätte es als sehr schade empfunden, wenn all die Vorbereitung, die sehr viele Piraten in diesen Parteitag hineingesteckt haben, sich am Ende nicht ausgezahlt hätte.

Daher hat es mich besonders gefreut, dass der Parteitag nach einem holprigen Start so gut gelaufen ist. Natürlich ist immer Luft nach oben. Aber ich finde wir haben sehr schön gezeigt, dass wir auf Bundesebene arbeiten können. Denn der Bundesparteitag ist eine notwendige Zusammenkunft. Nicht nur um dem Parteiengesetz genüge zu tun, sondern auch, damit wir uns gegenseitig besser kennen lernen können. Der Parteitag hat mir wieder einmal gezeigt, dass sich viele persönliche Differenzen, die man mühevoll über Twitter, Mailinglisten und andere Kommunikationsmittel aufbaut, durch ein persönliches Gespräch einfach beseitigt werden können.

Mein persönliches Highlight war der Beschluss von GP 050 „Recht auf sichere Existenz und gesellschaftliche Teilhabe“ (von manchen auch ResET genannt). Hierdurch positionieren wir uns auf dem wichtigen Feld der Sozialpolitik und wie ich finde tun wir das gar nicht so verkehrt. Zwar wurde von Gegnern eines BGEs vorgeworfen, wir hätten das BGE durch die Hintertür eingeführt, ich sehe das jedoch anders. Wir haben den Grundstein für eine neue Sozialpolitik gelegt, jetzt ist es an uns, diesen Grundsatzantrag durch konkrete Konzepte mit Leben zu erfüllen. Die Grundrichtung wird durch den Antrag vorgegeben und ist klar. Dadurch haben wir jetzt die Möglichkeit im Rahmen von GP 050 Konzepte auszuarbeiten, die wir dann diskutieren werden.

Ebenfalls gut fand ich, dass wir uns von der Idee eines Kernprogramms verabschiedet haben. Nicht, weil ich Netzthemen nicht für wichtig halte, sie werden weiterhin Kern und Identifikationsmerkmal der Piratenpartei bleiben. Ich halte die Unterteilung des Programms in Grundsatz und Wahlprogramm deswegen wichtig, weil die Diskussion über Kern- und Erweitertes Kernprogramm die Partei meiner Meinung nach in der Vergangenheit gelähmt hat. Der Weg ist jetzt klar: Langfristige Visionen und Weichenstellungen ins Grundsatzprogramm, kurzfristige Ziele auf dem Weg dort hin ins Wahlprogramm. Bei der Umsetzung unserer Forderungen sollte uns aber klar sein, nicht der Weg, sondern das Ziel ist das Ziel. Das heißt wir sollten uns bei all unseren Forderungen, egal ob alt oder neu, tatsächlich überlegen wie man sie umgesetzt bekommt.

Der beschlossene Antrag GP022 „Teilhabe am digitalen Leben“ ist meiner Meinung nach ebenfalls sehr gelungen, da er nochmal in wenigen Worten sehr klar beschreibt, wofür die Piratenpartei bis jetzt stand und auch weiterhin stehen wird.

Als letztes sei noch die Queer- und Familienpolitik zu erwähnen. Hier weiß ich persönlich von maha und den anderen Antragstellern wie sehr sie sich über diesen Beschluss freuen, da die Anträge schon in Bingen nicht behandelt worden waren.

Für viel Diskussion sorgte der Beschluss § 173 StGB abschaffen zu wollen. Ich finde die Entscheidung wichtig und richtig. Hierbei wird es interessant werden, ob wir in der Lage sein werden die Sinnlosigkeit dieses Paragraphen auch zu vermitteln. Die Abschaffung ist vernünftig, die Vermittlung nicht so leicht. Hierbei spielt die Darstellung durch die etablierten Medien eine Interessante Rolle. Wir werden sehen, ob objektive Berichterstattung zu dem Thema möglich sein wird, oder ob Stumpfsinn wieder siegt.

Für die Programmatische Arbeit in der Partei war dieser Parteitag nur ein Anfang: In den nächsten Wochen wird es darum gehen, dass die Redaktionskommission ihre Arbeit aufnimmt, und das neue Programm in einer Rohfassung (so wie es beschlossen wurde) veröffentlich und danach sprachlich überarbeitet. Die neue Fassung des Programms muss dann vom nächsten Parteitag wieder beschlossen werden.

All jene, deren Anträge nicht behandelt worden sind bitte ich darum, sie wieder in LiquidFeedback zur Diskussion zu stellen. So könnte meiner Meinung nach auch die zukünftige Programmarbeit aussehen: Anträge werden im Liquid diskutiert, auf dem Parteitag abgestimmt, und danach wieder ins Liquid gestellt und ggf. verändert. Dadurch haben wir meiner Meinung nach das Potential, auf politische Veränderungen schneller zu reagieren als jede andere Partei es im Moment machen kann.

Ich denke die Vorbereitung durch LiquidFeedback hat dem Parteitag durchaus etwas gebracht, auch wenn man sagen muss, dass durch den verzögerten Start nicht so gut vorbereitet werden konnte wie es vielleicht möglich gewesen wäre, wenn LiquidFeedback direkt im Juli gestartet wäre. Ich hoffe aber, dass die Akzeptanz für LF gesteigert wird und auch die Bundespartei dazu kommt, LF für Meinungsbilder zu nutzen, die die Arbeit auf dem Parteitag erleichtern. Für Mitte Januar wird im Moment ein Bundesweites LF-Treffen geplant, nähere Informationen in Kürze, ich erhoffe mir eine rege Teilnahme.

Zur Frage, ob man jetzt austreten soll kann ich nur sagen: Nein. Zu einer Partei gehört es auch dazu, dass Dinge beschlossen werden, die man persönlich nicht so gut findet. Dann liegt es aber in der Verantwortung eines jeden Einzelnen dafür zu sorgen, in einen konstruktiven Diskurs über Inhalte einzusteigen, und keine Fundamentalopposition zu bilden. Deswegen sollten wir uns alle hinsetzen und überlegen, wie man im Zweifelsfall mit Beschlüssen umgeht, die man persönlich nicht so toll findet. Die einfachste Art und Weise scheint mir zu sein, einfach bessere Vorschläge zu machen.

Mein Fazit des Bundesparteitages ist, dass es uns gelungen ist produktiv zu arbeiten. Ich habe das Gefühl, dass wir motiviert ins nächste Jahr starten. Uns steht noch eine Menge harter Arbeit bevor.

Tags: Piraten BPT10

Achtungserfolggate

Am Freitag war in der Bundesgeschäftsstelle der Piratenpartei ein Pressefrühstück. In ungezwungener Atmosphäre unterhielten sich Piraten mit Journalisten. Es kamen dpa, Handelsblatt, Spiegel, Tagesspiegel und die taz. Die Stimmung war gut und ausgelassen. Im Rahmen des Frühstücks führte ich auch ein Gespräch mit Niklas Wirminghaus von der taz. Er befragte mich zum Zustand der Partei und meinen Erwartungen für die Landtags- und Kommunalwahlen im nächsten Jahr.

Ich betonte, dass es wichtig ist, dass wir unsere Ergebnisse der Bundestagswahl ausbauen und uns auf die fünf Prozent zubewegen. Im Bezug auf die Wahl in Baden-Württemberg sagte ich, dass in den Medien leider zu wenig über das dortige Wahlsystem berichtet wird, dass Aufgrund der 70 Direktwahlkreise und den zu leistenden 10.500 Unterstützerunterschriften kleine Parteien wie z.B. die Piratenpartei systematisch benachteiligt werden, dass ich aber davon ausgehe, dass es in einigen Wahlkreisen auf jeden Fall zu Achtungserfolgen kommen wird.

Aus diesen Aussagen wurde dann hier folgendes gemacht:

Davor wird im März in Baden-Württemberg der Landtag gewählt. Mehr als Achtungserfolge in manchen Wahlkreisen erwartet Lauer dort allerdings nicht. Der Südwesten ist als ländlich geprägtes Flächenland ein schwieriges Terrain für Piraten. So erklärt Basispirat Haase auch das magere Ergebnis in NRW: „Wir hatten es in den ländlichen Gebieten sehr schwer, in den städtischen Ballungszentren hat dafür die SPD dominiert.“

Warum blogge ich jetzt darüber? Ich habe direkt am Freitagabend in der C Base Feedback von Baden-Württembergischen Piraten bekommen, die Glücklicherweise das direkte Gespräch mit mir suchten und mich darauf hinweisen, dass man aufgrund meiner Äußerung gelinde gesagt etwas ungehalten wäre, dass es bereits einen ausgemachten Flamewar auf den Mailinglisten in Baden-Württemberg gebe, in dem man sich über meine Äußerungen Echauffiere.

Ich erläuterte ihnen dann das, was ich jetzt auch hier niedergeschrieben habe. Im Gespräch wurde mir nochmal klar, dass ich natürlich etwas euphorischer hätte sein können und müssen, dass ich insbesondere auf Stuttgart 21 hätte hinweisen müssen und den Zuspruch, den die Piratenpartei dadurch in Baden-Württemberg bekommt. Psychologisch ist es natürlich fatal, wenn man sich seit Wochen und Monaten in seinem Kreis engagiert und dann über die Medien den Eindruck erhält, der eigene Vorstand glaubt nicht an den Erfolg. Dies war nicht meine Absicht.

Ich schreibe diesen Blogbeitrag auch, weil ich den Vorgetragenen Vorwurf, ich hätte die Wahl in Baden-Württemberg schon abgeschrieben, für ziemlich absurd halte. Ich habe auf dem Bundesparteitag gesagt, dass wir alle uns im Wahlkampf befinden müssen, wenn in einem oder mehreren Bundesländern Wahlkampf ist. Ich habe direkt nach Bingen dem Baden-Württembergischen Vorstand vorgeschlagen, Busfahrten von Berlin oder anderen Bundesländern nach Baden-Württemberg zu organisieren, um beim Unterschriftensammeln zu helfen. Ich habe nach der Verhaftung von Simon Engelhaupt Kontakt zur dpa Stuttgart an André Martens vermittelt, damit dieser nochmal auf den Vorgang hinweisen kann und Presseaufmerksamkeit für diesen Vorfall entsteht. Ich habe letzte Woche einen Antrag an den Landesvorstand Berlin gestellt, sich um die Organisation einer Busfahrt zu kümmern. Das wurde zwar abgelehnt, allerdings werden sich die Piraten Berlin jetzt aktiv beim Sammeln von Unterschriften von Baden-Württembergern in Berlin beteiligen. Ich werde dennoch versuchen aktive Berliner zum Sammeln von Unterschriften nach Baden-Württemberg zu befördern. Das Angebot, dies zu tun, habe ich auch nochmal am Freitag, kurz nach dem Pressefrühstück, von mir aus gegenüber Florian Zumkeller-Quast, Beisitzer im Landesvorstand Baden-Württemberg erneuert.

Das sind natürlich Dinge, über die ich nicht berichte weil ich sie für normal halte und auch unabhängig von meinem Vorstandsamt angestoßen hätte. Das sind Dinge, über die eine taz auch nicht schreibt, weil sie vor allem Interna der Piratenpartei sind.

Mir ist bewusst, dass ich im Bezug auf die Wahl in Baden-Württemberg sicher euphorischer hätte sein können, aber die Parole 6+x wollte ich auch nicht ausrufen. Wenn sich der Landesverband Baden-Württemberg hierzu entscheiden sollte, werde ich dieses oder jedes andere Wahlziel auch entsprechend kommunizieren.

Für uns ist nächstes Jahr ein sehr wichtiges Jahr, wir haben Wahlkämpfe in folgenden Bundesländern zu bestreiten: Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bremen, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen, Niedersachsen.

Sachsen-Anhalt wählt am 20.3., Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen am 27.3., das ist in sieben Monaten. Bremen wählt am 22.5., Berlin und Mecklenburg-Vorpommern am 4.9. Niedersachsen ist am 11.September, zur FSA, dran.

Vier der acht Wahlen im nächsten Jahr finden bereits in sieben Monaten statt. Wir alle müssen uns reinhängen, um zu zeigen, dass wir die sechstgrößte Partei in Deutschland sind, die in Verantwortung strebt. Dieses Ziel erreichen wir nicht, wenn wir uns über indirekte Rede in Zeitungsartikeln aufregen. Der Artikel in der taz endet mit „Wir werden die anderen Parteien vor uns hertreiben“. Genau das müssen wir tun.

Danke Stephan

Lieber Stephan,

Mit Bezug auf Deine Entschuldigung möchte auch ich mich bei Dir entschuldigen: Auch ich habe einen dummen Fehler gemacht. Dich per Direct Message auf Twitter darum zu bitten, mir das Ergebnis des Schiedsgerichtsverfahrens vorab zu melden war einfach doof. Das hat Dich in eine unangenehme Situation gebracht.

Auch wenn wir das ganze schon persönlich besprochen haben möchte ich mich an dieser Stelle auch noch mal öffentlich bei Dir dafür entschuldigen, Dich überhaupt in diese Situation gebracht zu haben. Ich möchte mich bei Dir bedanken, dass Du in dieser angespannten Phase deeskalierend handelst.

Gruß

Christopher

Jetzt neu: Mit Sprechstunde!

Ab dem 4.8. biete ich jeden Mittwoch zwischen 17:00 und 19:30 eine Sprechstunde für Piraten an. Diese findet in der Bundesgeschäftsstelle, in der Pflugstr. 9a in Berlin Mitte statt. Man kann mich besuchen kommen, man kann mich aber auch anrufen.

Auch wenn ich ansonsten recht gut zu erreichen bin, so haben mir die letzten Wochen gezeigt, dass manche Piraten mich vielleicht gerne kontaktieren würden, aber nicht so richtig wissen wie das geht. Daher das Angebot der Sprechstunde.

SymbolbildFreude macht sich auf der Sprechstunde des heiteren Bundesvorstands breit: Christopher Lauer (links) beim Biermixgetränk, im ausgelassenen Gespräch mit der Basis (rechts). (Symbolbild, Quelle:Würzblog)

In der Sprechstunde möchte ich darüber informieren, was sich momentan so im Bundesvorstand tut und woran ich momentan arbeite. Ich möchte aber natürlich auch von euch erfahren, was ihr für Ideen, Vorschläge und Wünsche für die Partei habt, wo vielleicht der Schuh drückt, wo Probleme sind.

Ich habe eine Wikiseite angelegt, auf der immer aktuelle Informationen zur Sprechstunde zu finden sein werden. Ich freue mich über euren Besuch, real oder telefonisch.

Solltet ihr Fragen zur Sprechstunde haben, postet sie in die Kommentare oder schreibt mir eine Mail.